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Bestimmung von Geraden- und Ebenengleichungen

Gerade durch zwei Punkte

Sind zwei Punkte $A$ und $B$ gegeben, dann hat die Gerade $g$ durch $A$ und $B$ als mögliche Gleichung \[g:\quad {x}=\vec{a}+t(\vec{b}-\vec{a}).\] Statt $\vec{a}$ kannst Du als Stützvektor wahlweise auch $\vec{b}$ verwenden und statt $\vec{b}-\vec{a}$ als Richtungsvektor auch $\vec{a}-\vec{b}$.

Beispiel
Mit $A(1|2|-1)\mbox{ und }B(2|0|3)$ erhält man für $g$ z.B. die Gleichung \[g:\quad \vec{x}=\left(\begin{array}{r}1\\2\\-1\\ \end{array}\right) +t\left[\left(\begin{array}{r}2\\0\\3\\ \end{array}\right)- \left(\begin{array}{r}1\\2\\-1\\ \end{array}\right)\right] =\left(\begin{array}{r}1\\2\\-1\\ \end{array}\right) +t\left(\begin{array}{r}1\\-2\\4\\ \end{array}\right).\]

Ebene durch drei Punkte

Die Ebene $E$, die durch drei vorgegebene Punkte $A$, $B$ und $C$ geht, hat die mögliche Parameterform \[E:\quad \vec{x}=\vec{a}+s(\vec{b}-\vec{a})+t(\vec{c}-\vec{a}).\] Wie bei der Parameterform von Geraden kannst Du hier auch $\vec{b}$ oder $\vec{c}$ als Stützvektoren wählen und als Richtungsvektoren irgendwelche zwei Differenzen der drei Vektoren.

Beispiel
Aus den drei Punkten $A(1|0|1), B(2|-1|1)$ und $C(-3|0|0)$ erhält man für $E$ beispielsweise die Parameterform \begin{eqnarray} E:\quad \vec{x}&=&\left(\begin{array}{r}1\\0\\1\\ \end{array}\right) +s\left[\left(\begin{array}{r}2\\-1\\1\\ \end{array}\right)- \left(\begin{array}{r}1\\0\\1\\ \end{array}\right)\right] +t\left[\left(\begin{array}{r}-3\\0\\0\\ \end{array}\right)- \left(\begin{array}{r}1\\0\\1\\ \end{array}\right)\right]\\ &=&\left(\begin{array}{r}1\\0\\1\\ \end{array}\right) +s\left(\begin{array}{r}1\\-1\\0\\ \end{array}\right) +t\left(\begin{array}{r}-4\\0\\-1\\ \end{array}\right).\\ \end{eqnarray}

Ebene durch einen Punkt und eine Gerade

Die Ebene $E$, die die Gerade $g:\vec{x}=\vec{u}+t\vec{v}$ und den Punkt $A\not\in g$ enthält, hat als Parameterform beispielsweise \[E:\quad \vec{x}=\vec{a}+s(\vec{u}-\vec{a})+t\vec{v}.\] Alternativ dazu kannst Du als Stützvektor auch $\vec{u}$ benützen und statt dem ersten Richtungsvektor auch $\vec{a}-\vec{u}$. Der Richtungsvektor $\vec{v}$ aus der Geraden muss aber auf jeden Fall verwendet werden.

Beispiel
Mit $A(2|2|-1)$ und $g: \vec{x}=\left(\begin{array}{r}5\\4\\-14\\ \end{array}\right)+t\left(\begin{array}{r}1\\0\\-2\\ \end{array}\right) $ ergibt sich für $E$: \begin{eqnarray} E:\quad \vec{x}&=&\left(\begin{array}{r}2\\2\\-1\\ \end{array}\right) +s\left[\left(\begin{array}{r}5\\4\\-14\\ \end{array}\right)- \left(\begin{array}{r}2\\2\\-1\\ \end{array}\right) \right]+ t\left(\begin{array}{r}1\\0\\-2\\ \end{array}\right)\\ &=&\left(\begin{array}{r}2\\2\\-1\\ \end{array}\right)+ s\left(\begin{array}{r}3\\2\\-13\\ \end{array}\right)+ t\left(\begin{array}{r}1\\0\\-2\\ \end{array}\right). \end{eqnarray}

Ebene durch zwei Geraden

Wenn sich zwei Geraden $g_1:\vec{x}=\vec{u_1}+s\vec{v_1}$ und $g_2:\vec{x}=\vec{u_2}+t\vec{v_2}$ schneiden oder parallel sind, dann spannen sie eine Ebene auf. Die Parameterform kannst Du z.B. so aufstellen: \[E:\vec{x}=\vec{u_1}+s\vec{v_1}+t\vec{w}.\] Dabei hängst Du also an die Gleichung von $g_1$ nur noch $t\vec{w}$ hinten an, wobei $\vec{w}$ entweder der Richtungsvektor $\vec{v_2}$ von $g_2$ ist falls sich die Geraden schneiden oder der Vektor $\vec{u_2}- \vec{u_1}$ (bzw. $\vec{u_1}- \vec{u_2}$, das ist egal) falls die Geraden parallel sind. Genausogut kannst Du $t\vec{w}$ auch an die Geradengleichung von $g_2$ anfügen, wobei im Fall zweier sich schneidender Geraden entsprechend $\vec{w} = \vec{v_1}$ gilt.

Beispiel 1
Die beiden Geraden haben die Gleichungen
$g_1:\quad\vec{x}=\left(\begin{array}{r}5\\2\\-1\\ \end{array}\right)+s\left(\begin{array}{r}-1\\0\\4\\ \end{array}\right)\quad\mbox{und} \quad g_2:\quad\vec{x}=\left(\begin{array}{r}5\\2\\-1\\ \end{array}\right)+ t\left(\begin{array}{r}2\\-5\\3\end{array}\right)$.
Diese schneiden sich, was man am gemeinsamen Stützvektor und den linear unabhängigen Richtungsvektoren erkennen kann. Die aufgespannte Ebene hat also z.B. die Parameterform \begin{eqnarray} E:\quad\vec{x}&=&\left(\begin{array}{r}5\\2\\-1\\ \end{array}\right)+s\left(\begin{array}{r}-1\\0\\4\\ \end{array}\right)+ t\left(\begin{array}{r}2\\-5\\3\end{array}\right). \end{eqnarray}

Beispiel 2
Die folgenden Geraden sind parallel:
$g_3:\quad\vec{x}=\left(\begin{array}{r}1\\-5\\0\\ \end{array}\right)+s\left(\begin{array}{r}-2\\4\\6\\ \end{array}\right);\quad g_4:\quad\vec{x}=\left(\begin{array}{r}4\\4\\-1\\ \end{array}\right)+ t\left(\begin{array}{r}1\\-2\\-3\end{array}\right)$.
Als Paramterform der aufgespannten Ebene ergibt sich z.B.: \begin{eqnarray} E:\quad \vec{x}&=&\left(\begin{array}{r}1\\-5\\0\\ \end{array}\right) +s\left(\begin{array}{r}-2\\4\\6\\ \end{array}\right) +t\left[\left(\begin{array}{r}4\\4\\-1\\ \end{array}\right)- \left(\begin{array}{r}1\\-5\\0\\ \end{array}\right) \right]\\ &=&\left(\begin{array}{r}1\\-5\\0\\ \end{array}\right)+ s\left(\begin{array}{r}-2\\4\\6\\ \end{array}\right)+ t\left(\begin{array}{r}3\\9\\-1\\ \end{array}\right). \end{eqnarray}

Koordinatenachsen und -ebenen

Die $x_1$-Achse geht durch den Ursprung und hat beispielsweise den Richtungsvektor $\left(\begin{array}{r}1\\0\\0\end{array}\right)$. Die Parameterform kann dann also so aussehen: \[\vec{x}=\left(\begin{array}{r}0\\0\\0\end{array}\right) +t\left(\begin{array}{r}1\\0\\0\end{array}\right) = t\left(\begin{array}{r}1\\0\\0\end{array}\right).\] Das funktioniert natürlich bei der $x_2$- oder $x_3$-Achse genauso.

Mit dem Ursprung als Stützvektor und $\left(\begin{array}{r}1\\0\\0\end{array}\right)$ bzw. $\left(\begin{array}{r}0\\1\\0\end{array}\right)$ als Richtungsvektoren bekommst Du eine Parameterform der $x_1$-$x_2$-Ebene: \[\vec{x}=s\left(\begin{array}{r}1\\0\\0\end{array}\right)+ t\left(\begin{array}{r}0\\1\\0\end{array}\right).\] Daraus kannst Du $x_3=0$ ablesen (siehe auch Parameterform in Koordinatenform ), das ist dann auch schon die Koordinatenform der $x_1$-$x_2$-Ebene.

Ebene senkrecht zu zwei Ebenen durch einen Punkt

Der Normalenvektor $\vec{n}$ der Ebene, die senkrecht zu zwei vorgegebenen Ebenen sein soll, ergibt sich aus dem Kreuzprodukt ihrer Normalenvektoren (ist also eine der gegebenen Ebenen in Parameterform gegeben, musst du zuerst ihren Normalenvektor ermitteln, s. 2.2.1). Mit dem gegebenen Punkt lässt sich dann die Normalenform bzw. Koordinatengleichung der Ebene aufstellen.

Beispiel
Durch den Punkt $P(-2|1|0)$ soll eine Ebene $E$ gelegt werden, die zu den zwei Ebenen
$E_1: 3x_1+2x_2-x_3+4=0 \mbox{ und } E_2: -4x_1+5x_2=0$
orthogonal ist. Für das Kreuzprodukt der Normalenvektoren ergibt sich der Normalenvektor der gesuchten Ebene: \[\vec{n}=\left(\begin{array}{r}3\\2\\-1 \end{array}\right)\bigotimes \left(\begin{array}{r}-4\\5\\0 \end{array}\right) = \left(\begin{array}{c}5\\4\\23\end{array}\right) \] Wichtig: Auch hier die Probe machen, und überprüfen, ob das Skalarprodukt von $\vec{n}$ mit beiden Normalenvektoren den Wert null ergibt! Das ist hier der Fall, und wir erhalten für die Ebene die Gleichung: \[E:\quad \left(\begin{array}{c}5\\4\\23\end{array}\right) \bullet\left[ \vec{x}-\left(\begin{array}{r}-2\\1\\0 \end{array}\right) \right]=0\quad\Longleftrightarrow\quad 5x_1+4x_2+23x_3+6=0.\]

Ebene senkrecht zu einer Geraden und durch einen Punkt

Bei vielen Aufgaben kommt es vor, dass Du zu einer Geraden $g:\vec{x}=\vec{u} +t\vec{v}$ und einem Punkt $P$ eine Ebene finden musst, die senkrecht durch die Gerade geht, und den Punkt enthält (z.B. bei der Spiegelung von einem Punkt an einer Geraden, und beim Abstand zwischen Punkt und Gerade). Die Normalenform der Ebene kannst Du aufstellen, indem Du $\vec{v}$ als Normalenvektor von $E$ verwendest und $\vec{p}$ als Stützvektor: \[E:\quad \vec{v}\bullet (\vec{x}-\vec{p})=0.\]

Beispiel
Die Ebene durch $P(2|1|5)$ senkrecht zur Geraden $g:\vec{x}=\left(\begin{array}{r}3\\0\\-1\end{array}\right)+ t\left(\begin{array}{r}1\\1\\-2 \end{array}\right)$ hat die Gleichung \[E:\left(\begin{array}{r}1\\1\\-2 \end{array}\right)\bullet \left[\vec{x}-\left(\begin{array}{c}2\\1\\5 \end{array}\right)\right]=0 \quad\Longleftrightarrow\quad x_1+x_2-2x_3+7=0.\]

Lotgerade auf eine Ebene durch einen Punkt

Eine Lotgerade durch einen Punkt auf eine Ebene ist eine Gerade, die die Ebene senkrecht schneidet.
Lotgeraden sind Hilfsmittel beim Spiegeln eines Punktes an einer Ebene (s. Punkt an Ebene) und beim Schneiden von Kugeln mit Ebenen (s. Ebene - Kugel).
Die Lotgerade durch einen Punkt $P$ auf eine Ebene $E$ hat $\vec{p}$ als Stützvektor und den Normalenvektor von $E$ als Richtungsvektor.

Beispiel
Die Lotgerade durch $P(6|-2|4)$ auf die Ebene $E: 7x_1-2x_2+x_3+4=0$ hat die Gleichung \[l:\quad\vec{x}=\left(\begin{array}{r}6\\-2\\4\end{array}\right) +t\left(\begin{array}{r}7\\-2\\1\end{array}\right).\]

Tangentialebene und Schnittkreisebene bei Kugeln

Eine Tangentialebene an eine Kugel ist eine Ebene, die mit dieser genau einen Punkt gemeinsam hat, dieser heißt dann Berührpunkt.
Ist $P$ ein Punkt auf oder innerhalb einer Kugel mit dem Mittelpunkt $M$, dann lässt sich daraus die Gleichung der Tangentialebene an die Kugel durch den Berührpunkt $P$ aufstellen (falls $P$ auf der Kugel liegt) oder die Gleichung der Ebene, die die Kugel in einem Kreis mit dem Mittelpunkt $P$ schneidet (falls $P$ innerhalb der Kugel liegt). In beiden Fällen hat die Ebene $E$ die Normalenform \[E:\quad \vec{n}\bullet(\vec{x}-\vec{p})=0\mbox{ mit dem Normalenvektor } \vec{n}=\vec{m}-\vec{p}.\] Daraus kannst Du Dir dann nach Normalenform in Koordinatenform die Koordinatenform herleiten.

Beispiel
$Q(0|1|4)$ und $P(2|0|4)$ liegen nach Punkt - Kugel auf bzw. in der Kugel $K$ mit der Gleichung \[K:\quad(x_1-2)^2+(x_2+1)^2+(x_3-5)^2=9.\] Für die Normalenvektoren $\vec{n}_1$ und $\vec{n}_2$ der Tangentialebene $T$ durch $Q$ und der Schnittkreisebene $E$ durch $P$ wählen wir \[\vec{n}_1=\vec{m}-\vec{q}= \left(\begin{array}{r}2\\-2\\1 \end{array}\right)\quad\mbox{und} \quad \vec{n}_2=\vec{m}-\vec{p}= \left(\begin{array}{r}0\\-1\\1 \end{array}\right).\] Die Tangentialebene $T$ durch den Berührpunkt $Q$ hat deshalb die Gleichung \[T:\quad \left(\begin{array}{r}2\\-2\\1 \end{array}\right) \bullet \left[\vec{x}-\left(\begin{array}{c}0\\1\\4 \end{array}\right) \right]=0\quad\Longleftrightarrow\quad 2x_1-2x_2+x_3-2=0,\] und die Schnittkreisebene $E$ durch den Schnittkreismittelpunkt $P$ sieht so aus: \[E:\quad \left(\begin{array}{r}0\\-1\\1 \end{array}\right) \bullet \left[\vec{x}-\left(\begin{array}{c}2\\0\\4 \end{array}\right) \right]=0\quad\Longleftrightarrow\quad -x_2+x_3-4=0.\]